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September 21, 2008

Die AGA ist vorbei

Die Zeit vergeht doch wie im Fluge. Letzten Donnerstag hatten wir unsere Rekrutenbesichtigung. Früher war die mal 2 Tage lang, richtig mit draußen Zelten und dem vollen Programm. Dann werden sämtliche während der AGA gelernte Inhalte nochmal abgefragt und bewertet. Heutzutage wird darauf scheinbar nicht mehr allzu viel Wert gelegt. Wir sind zwar um 3 Uhr Morgens aufgestanden und um 6 zum Standortübungsplatz marschiert, aber gegen 1630 ging es schon wieder zurück. Am Übungsplatz angekommen konnten wir dann erstmal - völlig durchgeschwitzt vom straffen Marsch - Pause machen und Frühstücken. Vorher gab's nämlich noch nichts zu Essen. Das Ganze dann bei ca 5°C. Wir haben uns alle den Arsch abgefroren. Die Nutella in den kleinen Plastikbehältern war auch eher eine feste, Schokoriegel artige Masse. Auf dem Brot verstreichen ging nicht, Bröseln war die Devise.
Na ja, es waren dann 4 Stationen am Übungsplatz aufgebaut und die 3 Züge wurden in 7-8 Gruppen unterteilt. So ist man also mit ca 20-25 Mann von Station zu Station und hat die dort geforderten Sachen gemacht. Mit all dem was wir in der AGA gelernt haben hätte man locker das Doppelte an Stationen machen können, aber wie ich schon sagte: Die Rekrutenbesichtigung hat wohl an Gewicht verloren. Es ist auch egal, ob man durchfällt oder sie besteht - in beiden Fällen kommt man danach zu seiner Stammeinheit, wird zum Gefreiten und bekommt die (lächerliche) Gehaltserhöhung.
Zurück zum Standortübungsplatz. Da pro Station so viele Mann waren und jeder einzeln die jeweilige Sache machen musste, hatten wir sehr viel Pause. Die meiste Zeit saßen wir an den Stationen, konnten uns aus unseren Lunchpaketen bedienen, labern, entspannen. Da konnte eigentlich irgendwas nicht so ganz dran stimmen, dachte ich mir. So eine entspannte Zeit bei der Bundeswehr in der AGA... Neee, da muss noch ein Knaller kommen. Klar. Beim Rückmarsch dann hat unser Gruppenführer mit Platzmunition geschossen und gesagt, dass wir angegriffen werden. Er ist tot, der Hilfsausbilder ist verwundet und wir müssen ihn transportieren und dabei dem Feind ausweichen. Also haben ihn erst 3 Mann getragen - hat nicht gut geklappt, alle waren schnell erschöpft und es ist schwierig auf eine gemeinsame Geschwindigkeit zu kommen. Also sind wir in den Wald und haben nach Ästen gesucht um eine Behelfsmäßige Trage zu bauen. Nach ca 15 Minuten hatten wir eine Trage fertig. Hilfsausbilder drauf, 5 Meter gelaufen: *KNACKS*. 15 Minuten umsonst, Trage gebrochen. Also nicht lange rumgefackelt: Einer nimmt den Hilfsausbilder huckepack. Wenn's nicht mehr geht, nimmt ihn der nächste, und so weiter. Zusätzlich musste eine vernünftige rückwärtige Sicherung zustande gebracht werden. 3 Leute haben dann immer versetzt zueinander nach hinten gesichert. Der hinterste Soldat ist dann schnellstmöglich vor die anderen beiden gesprintet und hat dann auch wieder nach hinten gesichert. Dann sprintet der nun hinterste Soldat wieder hinter die beiden und sichert. Dann der neue hinterste. Dann wieder der hinterste. So setzt sich das das ganze Ausweichmanöver über fort. Und ständig mit dem ganzen Marschgepäck 50 Meter Sprints hinlegen strengt saumäßig an. Es war fast die gesamte Gruppe zusätzlich belastet. Wir haben die Sicherung, die Leute die den Hilfsausbilder tragen und die Leute die das Gepäck vom Hilfsausbilder, Gruppenführer und den Huckepack Leuten tragen. Dann noch vorne 2-3 Soldaten die nach vorne sichern. Nach der Aktion waren wir alles in allem kaputt ohne Ende. Glücklicher Weise hieß es nach 1-1,5 km, dass der Verwundete in einem Verwundetensammelnest abgegeben wurde, der Feind abgehängt ist und wir normal weiter marschieren können. Die letzten 500m zur Kaserne hieß es dann vom Gruppenführer "Schüsse aus dem Wald, die letzten Meter im Sprint!". Also nochmal mit dem ganzen Gerödel einen Berg hochsprinten, bis in die Kaserne rein. Danach war dann endgültig Schluss, mehr hätte man mit uns nicht mehr anfangen können ^^. Immerhin war unsere Gruppe mit Abstand als erste zurück.

Im Anschluss sollten wir dann wieder trockene und halbwegs saubere Klamotten anlegen, die Tarnschminke abwaschen, Schuhe putzen und dann gabs ein Kompanieantreten. Alle 180 Rekruten plus Ausbilder versammelten sich. Der stellvertretende Kompaniechef hat eine Rede gehalten. Rekrutenbesichtigung vorbei, damit offiziell die AGA beendet, etc. Dann las er alle (!) 180 Namen einzeln vor und hat uns damit unsere Beförderung zum Gefreiten mit Wirkung zum 01.10.2008 mitgeteilt. Dann ging es zurück in den Block, noch ein bisschen Stube und Revier reinigen und dann endlich ins Bett.

Meinen Versetzungsbefehl habe ich dann auch am Freitag bekommen, für mich geht es dann nach Ulm in die 4. Kompanie des Feldjäger Batallions 452. Ich bin ja mal gespannt wie es da ablaufen wird. Morgen, am Montag, findet noch das Nachzügler Schießen statt, da in der Schießwoche ja nicht alle Soldaten alle Übungen schießen konnten. Ansonsten folgen nur noch administrative Sachen, bis wir dann am 25. in unsere neue Stammeinheit versetzt werden.

Einerseits bin ich froh, endlich die AGA hinter mir zu haben und diesen ganzen Stress nach 3 Monaten los zu sein. Andererseits ist man mit den Kameraden halt wirklich zusammengewachsen und hat die ganze Scheisse durchgestanden. Na ja, so geht es nunmal jede AGA. Einer aus meinem Zug kommt auch nach Ulm zu den Feldjägern, noch zwei weitere aus dem dritten Zug (der eine kommt aus Groß-Gerau) und eventuell noch ein paar aus dem ersten Zug. Wird schon werden :)
Posted 5 days, 12 hours ago on September 21, 2008
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Re: Die AGA ist vorbei
Feldjäger? Sauber :D
Posted 4 days, 15 hours ago von Flownie • • • Reply
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