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August 29, 2008

Feuer Frei!

Es ist der 29.08.2008 04:33 morgens und ich habe soeben begonnen diesen Text zu schreiben. Ich bin von gestern (Donnerstag, 28.08.08) auf heute zum Bereitschaftsdienst unserer Kompanie eingeteilt. Jede Kompanie hat jeden Tag (auch am Wochenende und Feiertagen) einen sog. "Unteroffizier vom Dienst" - UvD. Dieser hat besagten 24-stündigen Bereitschaftsdienst, jeweils von morgens um 07:00 bis morgens um 07:00. UvD sind immer Mannschaftsgrade ab Gefreiter. Damit die Rekruten, also z.B. ich, einen Einblick in den Job des UvD bekommen und bereits ein wenig eingewiesen werden, gibt es den "Gefreiten vom Dienst" - GvD. Der GvD sitzt meistens beim UvD und schaut einfach zu, bzw. ist auch sein Stellvertreter wenn der UvD gerade nicht im "Büro" ist, weil er etwas erledigen muss. Eigentlich darf während diesem 24-stündigen Bereitschaftsdienst nicht geschlafen werden, da man aber zu zweit ist, wechselt man sich mit dem schlafen ab, sodass jeder in der Nacht ca 3 Stunden Schlaf bekommt. Ich durfte von 2230-0130 schlafen (habe mich aber erst um 00:00 ins Bett gelegt, da wir noch einen Film geschaut haben), dann wurde ich geweckt und nun schläft er bis 0500. Ja, er hat eine Stunde mehr als ich hätte... Aber gut, so ist das halt. Ich Rekrut, er Gefreiter ;). Abgesehen davon muss er heute ab 8 Uhr den 30km Leistungsmarsch ablegen, während ich später nur noch Waffen und Stube & Revier reinigen und mich dann in den Zug nach Hause setzen werde.

Nun ja, das ist der Grund warum ich nun um mittlerweile 20 vor 5 hier im UvD Büro an meinem Laptop sitze. Ich habe seit ich geweckt wurde die ersten 3 Folgen Band of Brothers geschaut, wobei ich bei der letzten eben ab der Hälfte ständig eingenickt bin ;). Jetzt noch die 4. Folge zu schauen lohnt nicht mehr, da in 20 Minuten langsam der Kasernenbetrieb wieder anläuft.

Wie war ansonsten die Woche? Recht interessant und seeehr entspannt. Die gesamte Woche über stand Schießen auf dem Dienstplan. Jawohl, scharf schießen. Am Montag gings mit den P8en auf den Schießstand. Die erste Übung waren 5 Schuss auf die 10er-Ringscheibe, also eine normale Zielscheibe, die mitte ist 10 Punkte und dann jeder weitere Ring nach außen einer weniger. Bei 5 Schuss ergibt das eine maximalpunktzahl von 50, die man bei dieser Übung schießen kann. Ich habe 43 erreicht und liege damit im oberen viertel bei unserem Zug. Der Beste hat 47 und noch ein paar sind zwischen mir und ihm. Danach folgte die "Wertungsübung". Der Ausgang dieser beeinflusst, welche Schützenschnur man erreichen kann. Die Schützenschnur ist eine Art Abzeichen, das man an der Ausgehuniform tragen kann. Die Schützenschnur gibt es in Bronze, Silber und Gold. Man muss eine Wertungsübung jeweils mit P8, G36 und MG3 schießen. Die schlechteste Wertung die man bei allen dreien erreicht, ist die Schützenschnur die man dann verliehen bekommt. Bei wiederholter durchführung der Übungen lässt sich das natürlich auch verbessern. Die Wertungsübung bei der P8 war relativ simpel. Es sind 3 Pappkameraden aufgestellt, man hat wieder 5 Schuss. Jeder Pappkamerad muss einmal getroffen werden um Bronze zu erreichen. Ein weiterer Treffer bei einem beliebigen Kamerad ist Silber, alle 5 Treffer entsprechen Gold. Da die Übung auf 20m Entfernung auf lebensgroße Pappkameraden geschossen wurde, habe ich und die meisten anderen auch diese mit Gold bestanden.

Am Dienstag folgte nochmals P8 schießen für die, die eine Übung nicht bestanden hatten und G36 für den Rest von uns. Beim G36 gab es auch 5 Schuss auf die 10er Ring (dies Zog sich dann bis in den Mittwoch). Da die Visiere der Gewehre allerdings immer für jeden Schützen eingestellt werden müssen, hat man sie in ihrer Visiereinstellung belassen (der gesamte Zug hat nur mit insg 4 Gewehren geschossen) und man sollte einfach immer auf die selbe Stelle zielen. Die Übung ist bestanden, wenn 4 der 5 Schuss sich in einem Umkreis von 10cm voneinander befinden, unabhängig davon wo auf der Scheibe sie sind. Anhand dessen lässt sich dann ermitteln, wo man mit genau diesem Gewehr hinzielen muss, um genau die Mitte zu treffen. Mit dem Zielfernrohr hatte ich 4 Treffer in einem 10cm Kreis, mit dem Reflexvisier alle 5. Beide Male wurde auf 150m geschossen, beim Reflexvisier allerdings auf größere Zielscheiben. Danach folgte eine Übung wo mal stehend mit aufgelegtem Gewehr, mal liegend und mal stehend freihändig geschossen wurde. Pro Anschlagsart 5 Schuss. Ich hatte, zusammen mit nur einem anderen aus unserem Zug, bei allen 3 Anschlagsarten alle 5 Schuss getroffen. Viele mussten diese Übung wiederholen, weil sie nicht die geforderten Mindesttreffer hatten.

Am Mittwoch haben die restlichen Kameraden die G36 Übung beendet und dann ging's ans MG3 schießen. Die erste Übung waren 5 Schuss Einzelfeuer (sprich, nach jedem Schuss das MG neu laden, da sich ansonsten damit kein Einzelfeuer schießen lässt), wovon man mind 2 Schuss im inneren Kreis und einen im Äußeren Kreis einer 2er-Ringscheibe haben muss (glaube ich zumindest, bin mir nicht mehr ganz sicher). Ich hatte 4 Schuss innen und einen im äußeren. Danach folgte ein 4-Schuss Feuerstoß mit dem MG, auf selbe Zielscheibe. Mindestanforderung 1 Treffer im inneren und 1 im Äußeren (oder natürlich beide im inneren). Diese Übung musste von knapp dem halben Zug wiederholt werden, von manchen wenigen über 5 mal. Bei mir hat's beim ersten mal mit 1 Treffer innen und 2 außen geklappt. So, jetzt schreibe ich wieder von zu Hause aus weiter, hatte vorher aufgehört weil der Betrieb in der Kaserne langsam wieder anfing. Man hat aber echt null Chance, da noch großartig was zu beeinflussen. Erstens zieht man den Abzug soweit nach hinten, dass der erste Schuss bricht, dann sind praktisch im selben Moment die restlichen drei Schuss auch schon weg. Schlichtweg unmöglich, weniger als 4 Schuss auf einmal da rauszufeuern. Dank des zwar starken, aber auch nicht so stark wie immer dargestellten, Rückstoßes des MG3 ist dann auch mit Zielen vorbei. Klar, der erste Schuss sitzt da wo man hinzielt, aber die anderen drei... Je fester und steifer man das Gewehr in die Schulter presst, desto weniger verzieht man vielleicht. Aber das geht so schnell (unter einer viertel Sekunde), dass absolut null Zeit zum Nachvisieren bleibt. Irgendwo ist die Übung also auch Glück ;).

Donnerstag war dann ein recht sinnloser Tag. Es gab die Wertungsübung für das G36 (also die Übung, wo man Bronze, Silber, Gold erreichen kann) und für das MG3. Der erste Zug hat zuerst am MG3 geschossen. ein Viertel vom Zug hat geschossen, dann war irgendwas mit den Gewehren nicht in ordnung, lange Pause während Ausbilder da rumprobieren und dann kamen die Sanis vorbei (nein, keine Angst, nix passiert) und die haben dann geschossen, weil die diese Übung auch noch brauchen. Unser Zug, der II. Zug, ist zur G36 Wertungsübung, da kam dann ca die erste Hälfte des Zuges dran und dann war Schluss. Zeit vorbei. Ich hab also mein ganzes Gerödel an dem Tag da runter geschleppt, bei Auf- und Abbau geholfen und dann dank des einen Hilfsausbilders in einem perversen Affentempo wieder in die Kaserne marschiert, dafür dass ich 8 Stunden lang nichts getan habe. Ich lag bzw saß 8 Stunden auf meinem Rucksack... Sinnloser Tag.

Das Schießen im Allgemeinen ist aber sehr geil. Der Sound der Waffen, der Rückstoß, der sportliche Ehrgeiz für die guten Ergebnisse... Also wenn man nicht immer pro Tag 10-20 Schuss schießen und den Rest nur warten würde, wäre das eine richtig fette Sache. Wenn aus dem MG3 dann so ein Feuerstoß rausrotzt und man steht nur ein paar Meter nebendran - göttlich dieser Sound. Da ist Silvester nichts dagegen. Auch die Handhabung der Waffen, wie sich der Rückstoß anfühlt, wie sich die Waffe und der Schütze beim Schießen und danach verhält... Alles sehr faszinierend. Das war mit Abstand die bisher beste Woche bei der Bundeswehr. Okay, war irgendwie zu erwarten ;).
Posted 2 years, 1 month ago on August 29, 2008
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